Reisetipps und Must-Sees für Nicaragua

Nicaragua ist mit 130.000km² das größte Land Mittelamerikas und ein Land, das langsam aufhört, als Geheimtipp zu gelten. Der zu unrecht dem Land vorauseilende Ruf nach Armut und Revolution wird langsam abgeschüttelt und Nicaragua wird inzwischen in zahlreichen Portalen oder Magazinen als Reiseempfehlung Nummer eins gelistet.

Ich habe vor einiger Zeit ein Jahr lang in Nicaragua gearbeitet und das Land seitdem 7 oder 8 Mal bereist (zuletzt im April 2016) und in dieser Zeit kennen, schätzen und lieben gelernt.

In meinem Beitrag findest du allgemeine Infos und nützliche Tipps und soll dir helfen, einen ersten Überblick über zu bekommen, um eine Reise dorthin zu planen. Alle wichtigen Informationen zum Thema Ein- und Ausreise, Reisezeit & Klima, Zeitverschiebung, Essen, Trinken, Sicherheit, Reiseführer und Fortbewegung habe ich für dich hier gesammelt. Am Ende des Artikels findest du außerdem noch die Must-Sees für deinen ersten 2-3 wöchigen Besuch Nicaraguas.

Einreise & Ausreise

Für die Einreise benötigen Österreicher oder Deutsche einen noch zumindest 6 Monate gültigen Reisepass. Das Touristenvisum, das man bei der Einreise erhält, ist für 90 Tage gültig, kostet derzeit (Stand 2013) 10 US$ und sollte bar bezahlt werden. Ein Verlängerung des Aufenthalts darüber hinaus ist, bei Vorlage verschiedener Dokumente usw., bei der Einwanderungsbehörde möglich.

Flüge

Der Flughafen Managuas, der einzige internationale Nicaraguas, kann nicht direkt aus Europa angeflogen werden. Es gibt daher zahlreiche Verbindungen über die USA (meist Miami, Atlanta oder Houston) bzw. über andere Staaten Mittelamerikas (Iberia über Costa Rica oder El Salvador; KLM über Panama City). Bei einem Zwischenstopp in den USA muss man aufgrund fehlender Transitbereiche durch Migration und Zoll, weswegen unbedingt ein ESTA-Formular zuhause im Internet ausgefüllt werden muss. Die Kosten variieren dabei je nach Reisezeit zwischen 850 und 1100 Euro. Ich empfehle dir, verschiedene Vergleichsportale als auch die jeweiligen Seiten der Fluglinien zu vergleichen.

Bild Flüge in Nicaragua
Flüge in Nicaragua

Reisezeit & Klima

Nicaragua kann grob in zwei Jahreszeiten unterteilt werden, der Winter bzw. die regnerische Zeit von Mai bis November und der Sommer bzw. die trockenere Zeit von Dezember bis April. Die Regenmenge variiert dabei von der Pazifik- zur Atlantikküste, an der es länger regnet und die trockene Jahreszeit kürzer ausfällt. Daraus ergeben sich neben den Ferienzeiten der europäischen Länder im Juli und August auch die Haupt- und Nebensaison(en). Der europäischen Sommer ( in dem es immer wieder mal regnet, meist kurz und stark, danach ist es schnell wieder trocken und die Luftfeuchtigkeit entsprechend) und die Monate Februar und März sind Hauptreisezeit. Im April kann es dann in der Pazifikregion um León schon mal 40°C bekommen.

Geld

Offizielle Währung in Nicaragua ist der Córdoba, US Dollar werden zwar in größeren Hotels, Restaurants akzeptiert, dann aber zu einem etwas schlechteren Kurs. Hotelpreise sind oft in US Dollar angegeben, weshalb es dann auch ratsam ist, diese in US Dollar zu bezahlen. Bei Bezahlung mit Kreditkarte werden oft 1 bis 3 Prozent auf die Summe aufgeschlagen. Bankautomate gibt es in jeder größeren Ortschaft. Mein Tipp ist allerdings, immer eine gewisse Notreserve dabei zu haben, falls mal der Bankomat defekt ist oder dieser die Karte aus irgendeinem Grund nicht annimmt. Und man sollte eine gewisse Summe US Dollar (Mischung aus kleinen und großen Scheinen) aus seinem Heimatland mitnehmen, damit man diese dann in Nicaragua in der Bank oder bei sogenannten Coyotes (mobilen Geldwechserln) wechselt (in großen Supermärkten, am Hauptplatz). So spart man die Gebühren an Bankautomaten. Da manchmal die eine, manchmal nur die andere Karte funktioniert, ist es mitunter ratsam, verschiedene Kreditkarten und eine Bankkarte dabei zu haben.
Aufpassen: Bankkarten müssen ab 1.1.2015 bei deiner Hausbank freigeschalten werden, damit du außerhalb Europas und den USA Geld beheben kannst (Stichwort GeoControl).

Zeitverschiebung

Die Zeitverschiebung nach Österreich und Deutschland beträgt minus 7 (europäische Winterzeit) bzw. 8 (europäische Sommerzeit) Stunden. In Nicaragua gibt es keine Winter- bzw. Sommerzeit. Der Unterschied zwischen Tag und Nacht ist in Nicaragua über das ganze Jahr nur sehr gering. Es wird meist gegen sechs Uhr dunkel bzw. hell.

Impfungen

Darüber sollte man sich im Tropeninstitut oder bei seinem Hausarzt vorab informieren, verpflichtende Impfungen gibt es derzeit keine. Die Standardimpfungen sind sehr zu empfehlen.

Kriminalität

Nicaragua gilt als eines der sichersten zentralamerikanischen Länder. Nichtsdestotrotz macht Gelegenheit auch in Nicaragua Diebe. Der am Sessel unbeobachtete Rucksack, die im Bus am Boden liegende Handtasche, usw. sind da auch in Nicaragua schnell mal fort. Abends kann man sich, abgesehen von Managua, in der jeweiligen Stadt im Zentrum auch noch bewegen, dunkle Gassen sind aber eher zu meiden (das steht wohl in jedem 2. Reiseführer für fast jedes Land). Für Managua gelten prinzipiell andere Gesetze, dort sollte man weder den öffentlichen Nahverkehr nutzen, noch allzu große Spaziergänge machen. Taxis gelten als sicheres Transportmittel. Falls man doch in eine ungute Situation gerät, immer kooperieren und nicht den Helden spielen.

Sprache

Spanisch ist die Amtssprache in Nicaragua. Die Basics zu können, wäre auf jeden Fall ganz gut und wird dem nicaraguanischen Gesprächspartner ein Lächeln ins Gesicht zaubern (sei es dein Sitznachbar im Bus oder die Verkäuferin in einem kleinen Laden). Die jüngere Generation spricht zum Teil auch ganz gut Englisch. An der Ostküste und auf Corn Island wird vor allem Kreolisch gesprochen. Den indigenen Sprachen Miskito, Sumu (Mayangna), Rama und Garifuna wird man kaum begegnen.

Unterwegs in Nicaragua

Das öffentliche Busnetz ist in Nicaragua sehr gut ausgebaut und verkehrt in recht dichten Intervallen. In Managua sollte man von der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs Abstand nehmen. Zwischen den Städten verkehren die Chicken Busse, alte amerikanische Schulbusse, die auch öfters stehenbeiben zwischen den Städten. Der Unterschied zwischen diesen und den selteneren Expressbussen ist nur schwer auszumachen. Fragt man Busfahrer, wird der einem nämlich immer antworten, dass seiner der Expressbus sei oder der Expressbus heute zufällig nicht fährt.

Außerdem gibt es noch die sogenannten Interlocales, schnelle Kleinbusse, die Fahren wenn sie voll sind, was meistens recht schnell geht. Diese bleiben nicht unterwegs stehen, sind dadurch deutlich schneller am Ziel und, da sie etwas teurer sind und keine Fahrgastfluktuation haben, ist man etwas sicherer vor Gelegenheitsdiebstählen. Das Gepäck wird sowohl bei Chicken Bussen als auch Interlocales meistens am Dach montiert, sein Handgepäck und Wertsachen immer bei sich am Schoß haben und nicht irgendwo am Boden abstellen!

Mietautos sind natürlich auch eine Option und besonders bei Fahrten auf die Isla de Ometepe (Fähre sollte man reservieren) zu empfehlen, stressresistent sollte man dabei schon halbwegs sein. Man ist deutlich flexibler.
Um Zeit zu sparen und lange Busreisen zu vermeiden kann man innerhalb Nicaraguas auch relativ preiswert Fliegen (nach Bluefields, Corn Island, San Carlos, Puerto Cabezas und neuerdings auch auf die Isla de Ometepe).

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Hostels / Hotels buchen

Solltest du es inzwischen gewohnt sein, dein Hotel über eine Buchungsplattform zu buchen, kannst du das für Nicaragua (abgesehen von den großen Ketten) zum Teil vergessen. Die meisten Hotels sind nicht auf diesen Buchungsplattformen zu finden, sondern haben eine eigene Website, über die gebucht wird oder du musst per E-Mail anfragen.

Wasser

Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Generell ist der Geschmack durch die starke Verchlorung gewöhnungsbedürftig. Meine Meinung und Tipp dazu: Wenn möglich auf Trinkflaschen zurückgreifen, aber nicht auf Eiswürfel beim Cola oder dem Rum verzichten und insbesondere sich deswegen die wirklich wunderbaren frischen Fruchtsäfte – Mango, Maracuja, Melone,.. – nicht entgehen lassen. Im Endeffekt kannst du von einem Schnitzel genauso Durchfall bekommen wie von einem Schluck Wasser (lässt man die Wahrscheinlichkeit mal außen vor).

Essen

An Gallo Pinto – Reis mit roten Bohnen – führt in Nicaragua kein Weg vorbei und wird oft auch zum Frühstück serviert. Die nicaraguanische Küche wird vielleicht keinen Feinspitze entzücken, es gibt aber durchaus auch sehr gute Gerichte. Am Meer führt an Fisch und anderen Meeresfrüchten kein Weg vorbei, am Land gibt es meistens Reis, Bohnen, Fleisch.

Rum

Der Rum Flor de caña ist als Nationalgetränk in Nicaragua allgegenwärtig. Der aus Zuckerrohr gewonnene Rum staubt weltweit zu Recht immer wieder Preise ab, ist aber trotzdem recht unbekannt in Europa. Meist mischt man den Rum mit Cola, Wasser oder Sprite und etwas Saft aus einer frisch gepressten Limette. Unbedingt probieren. Mir schmeck der achtjährige, Gran reserva, am besten.

Empfehlenswerte Unterkünfte

León: Hotel El Sueño de Meme

Isla de Ometepe: siehe Reisetipps Ometepe

San Juan del sur: Hotel Villa Mar

Little Corn Island: Casa Iguana und Little Corn B&B

Reiseführer

Ich kann dir für Nicaragua die Reiseführer der Footprint-Reihe ans Herz legen. Diese gibt es bis dato nur auf Englisch, allerdings bieten diese die besten Infos, vor allem auch für alle Budgets.

Must-Sees

Die Kolonialstadt León, eine sympathische Studentenstadt etwa 75 Minuten nordwestlich von Managua gelegen, besticht durch seine gemütliche Atmosphäre, das Studentenleben sowie seiner Nähe zum Strand. In 15-30 Minuten ist man mit Bus oder Taxi in Poneloya und Las Peñitas, ein langgezogener Strand. Das Ufer ist eher steil abfallend und die Wellen und Strömung nicht zu unterschätzen. Es gibt einige nette, kleine Unterkünfte in dem verschlafenen Straßendorf.
Ganz in der Nähe der Studentenstadt kann man die Vulkane Cerro Negro, Telica und San Cristobal besteigen.

Granada, noch eine Kolonialstadt, auf der man am Weg zur Isla de Ometepe vorbeischauen kann. Sehenswert sind neben dem Zentrum die Isletas de Granada und der inaktive Vulkan Mombacho mit einem tollen Nebelwald am Krater. Man wird mit einem Truck hinaufgefahren, oben gibt es sehr gut ausgebaute und beschilderte Naturlehrpfade, auch die Aussicht ist überragend.

Auf dem Weg nach Granada bietet sich auch ein Zwischenstopp in Masaya (und dem Vulkan Masaya, auf den eine Straße führt) an. In Masaya selbst gibt es einen großen Kunsthandwerkmarkt, dessen Besuch sich lohnt. In der Nähe liegt außerdem die Laguna de apoyo. Vom Krater des ehemaligen Vulkan (eine Straße führt bis ganz hinauf) hat man einen tollen Ausblick auf die riesige Lagune und die Umgebung. Wem dann nach Abkühlung ist, der kann zum Ufer fahren und dort baden (es gibt auch ein paar kleinere Hostels).

Isla de Ometepe, siehe Reisetipps Ometepe

San Juan del sur ist wohl der touristischste Ort Nicaraguas aufgrund seiner malerischen Buchten und gleichzeitig auch eine Surferparadies. Mehrere Buchten reihen sich aneinander. Ich empfehle dir, in einen der Hotels in den Buchten (Playa Marsella, Majagual oder Maderas) zu übernachten und nicht in San Juan del Sur direkt (außer man will Party, viele Touristen, usw.)

Little Corn Island liegt in der Karibik. Am besten man fliegt nach Corn Island, von wo es dann mit einem Schnellboot auf die kleine, autofreie Insel geht. Weißer Sand, türkisfarbenes Meer, was will man mehr? Ideal zum Relaxen und Entspannen. Hotels gibt es von einfachen Backpackerhostels bis gehobenere Einkehrmöglichkeiten alles.

Einer der vielen Vulkane sollte man auch Besteigen. Je nach Lust und Laune gibt es einfache, kurze Touren, z.B. am Cerro Negro bei León, oder anstrengendere Touren, z.B. auf den Vulkan San Cristobal (Mein Bericht über den Aufstieg) oder Concepción.

Der Norden ist in den letzten Jahren auch immer beliebter geworden. Eine Reise nach Estelí oder Matagalpa, um Kaffeefarmen zu besuchen, in Nationalparks zu wandern oder im Cañon de somoto zu schwimmen.

Abseits der Touristenpfade bist du am Rio San Juan unterwegs. Hier findest du das ursprüngliche Nicaragua, den riesigen Grenzfluss Rio San Juan sowie große Dschungelgebiete, in denen geführte Wanderungen gemacht werden können. Außerdem gibt es die Festung El Castillo zu besuchen. Ich war im April 2016 dort und habe darüber hier berichtet.

Na, Lust bekommen? Hast du noch Fragen? Oder noch einen besonderen Tipp?
Dann nichts wie los!

10 Comments

  • Hallo Jakob,

    Vielen Dank für die tollen Tipps zu Nicaragua. Ich plane noch in diesem Jahr eine ausgedehnte Reise nach Südamerika. Bisher war ich mir noch nicht sicher, was Nicaragua als Reiseziel angeht, nun bin ich aber sicher, dass sich ein Abstecher lohnen wird, gerade wegen der Kolonialstädte Leon und Granada. By the way: Wirklich toller Blog!

    Viele Grüße,
    Max

    • Also Ometepe ist kein Geheimtipp, sollte man aber auf keinen Fall verpassen
      Ansonsten Jiquilillo, schöner Strand nur 2 kleine hotels, angenehm ruhig in einem ganz kleinen Dorf mit kaum Touristen…

    • Hallo Daniel,
      das mit dem Geheimtipp ist so eine Sache… Neben Isla Ometepe und León würde ich Dir auf jeden Fall einen Abstecher nach Little Corn Island empfehlen http://bit.ly/1Gx87tD Ist allerdings nicht ganz einfach hinzukommen ( es sei denn man nimmt den Flieger nach Big Corn). Aber das macht ja gerade den Reiz aus…
      BG, Peter
      PS Falls du Surfer bist nach San Juan

  • Hallo Jakob!

    Vielen Dank für deine tollen Berichte über Nicaragua. Wir haben unsere Trip soweit geplant, uns fehlt nur noch eine Station an der Pazifikküste.
    Wir haben überlegt, in San Juan del Sur zu übernachten und von dort aus die anderen Buchten wie Playa Maderas etc. zu erkunden, sind uns aber unsicher, ob man überall gut hinkommt? Oder ob man einen Roller mieten kann, um die Gegend zu erkunden? Wir freuen uns über jede Info 🙂

    Liebe Grüße
    Caro

    • Hallo Caro!
      Schön, ich hoffe euch gefällt Nicaragua so wie mir 🙂

      Zu deiner Frage: Von Rollerermietung weiß ich nichts, allerdings auch, weil ich das noch nie in Betracht gezogen habe.
      Die Hostels in Sjds bieten Shuttles zu den Stränden an. Früh hin – Abends zurück. Das hat vor ein paar Jahren bei mir gut funktioniert. Je nach Partylaune könnt ihr ja auch eine Unterkunft an einem der Strände wählen…

      Liebe Grüße, und schöne Reise,
      Jakob

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