Der Karnische Höhenweg – wunderschöne Mehrtagestour

Karnischer Höhenweg

Dieser Woche hatten wir mit großer Vorfreude entgegengefiebert. Fünf bis sechs Tage in den Karnischen Alpen in Tirol und Kärnten entlang der österreichisch-italienischen Grenzen erwarteten uns. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Trotz Schnarchern im Lager, regelrechtem Sauwetter, skurrilen Bekanntschaften auf Berghütten und vorzeitigem Abstieg.

Meine persönlichen Tipps für eine entspannte Wanderung am Höhenweg findest du am Ende des Artikels.

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Geschichte des Karnischen Höhenwegs

Während des ersten Weltkrieges bildete der Karnische Hauptkamm eine der Frontlinien, an der hundertausende Soldaten im Zuge des Stellungskriegs starben. Beendet wurden die Auseinandersetzungen mit dem Vertrag von St. Germain und der Grenzsteinsetzungen 1920. Auf dem Karnischen Höhenweg begegnet man immer wieder Relikten dieses Kriegs, verfallene Stellungen, Schützengräben oder kleinere Bunker. Mit der in den 1970er Jahren aufkommenden Idee, ehemalige Kriegsschauplätze zu Orten der Begegnung zu machen, bekam der Höhenweg den Beinamen Friedensweg.

Kriegsweg

Tag 1 – Leckfeldalm zur Sillianer Hütte

Nach einer etwas längeren Anreise mit der Bahn von Wien über Lienz nach Sillian in Osttirol wartet schon das Hüttentaxi, mit dem wir zum Startpunkt des Karnischen Höhenwegs, der Leckfeldalm gelangen. Endlich kann es losgehen! Und die wechselhaften Wetterprognosen machen sich bereits auf den ersten Metern bemerkbar, es fing an zu nieseln – halb so wild. Nach Passieren der Baumgrenze blicke ich auf den sonnigen Hang auf der anderen Seite des Tals, während es über mit donnerte, was ich weniger lustig fand. Entschädigt werde ich in der Pause, um abzuwarten, wo das lokale Gewitter hinzieht, mit diesem fantastischen Regenbogen:

Regenbogen Karnischer Höhenweg

Der Weg auf die Sillianerhütte dauert in etwa zwei Stunden und führt auf einem breiteren Weg, die Sillianer Hütte ist mit einem Jeep erreichbar, in nicht zu steilen Kehren stetig bergauf. So man nicht von einer Gewitterzelle überrascht wird, bietet sich auch ein halbstündiger Abstecher zum Heimkehrerkreuz an. Kurz von der Hütte wird man dann mit einem großartigen Blick auf die Dolomiten und den drei Zinnen für den Aufstieg entschädigt. Von der Hütte selbst kann ich nur Gutes berichten, eine freundliche Hüttenwirtin, gutes Essen. Fürs Warmwasser zahlt man ca. 2€ für 2 Minuten. Kurz nach unserer Ankunft beginnt ein kräftiges Gewitter, dass uns auch in der Nacht manchmal weckt.

Sillianer Hütte

Tag 2 – Sillianer Hütte zur Obstansersee Hütte

Früh, seeehr früh, weckt uns statt dem Wecker das raschelnde Plastiksackerl (Tüte für meine deutschen Leser*innen) eines Frühaufstehers. Wir machen es ihm gleich, versuchen etwas weniger zu rascheln, und bald ist das ganze Lager auf den Beinen, da der Wetterbericht nichts Gutes ab Mittag verspricht. Kaum vorstellbar beim Sonnenschein und Panoramablick, der sich uns beim Frühstück bietet. Voll motiviert schnüren wir unsere Wanderschuhe und die ersten Höhenmeter sind schnell geschafft. Immer wieder schweift dabei unser Blick auf die beeindruckenden Dolomiten im Süden. Wir sind von dem sich bietenden Panorama schwer begeistert und strahlen mit der Sonne um die Wette. Trauriger sind hingegen die alten Bunker und Anlagen aus dem ersten Weltkrieg sowie ein Soldatenfriedhof, der uns an die dunklen Zeiten Europas erinnert. Zahlreiche Soldaten sind in den Karnischen Alpen alleine aufgrund der widrigen Bedingungen gestorben.

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Die Obstansersee Hütte liegt wunderschön in einem Kessel, neben dem namens gebenden Bergsee. Die letzten 40 Minuten holt uns allerdings ein Regenschauer ein und so wird der Abstieg eher zum Krampf als zum Genuss. In der Hütte gibt es Lager unterschiedlicher Größe, wir haben Glück und schnappen uns 2 Plätze in einem 5er Lager. Den verdienten Radler nach der Etappe genießen wir mit einer hervorragenden Speckknödelsuppe. Milchprodukte werden auf der Hütte selbst hergestellt. Zum Frühstück gibt es daher wunderbaren Kräutertopfenaufstrich; auch Mozzarella steht auf der Speisekarte.

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Tag 3 – Obstansersee Hütte zur Porzehütte

Entgegen aller Vorhersagen starten wir diese Etappe im Regen. Es schüttet aus Kübeln. Vor uns liegt eine sechsstündige Etappe mit Zwischenstopp auf der Filmoor-Standschützenhütte. Nach einenhalb anstrengenden Stunden stehen wir endlich auf der Pfannspitze, mit 2.678m die höchste Erhebung am Karnischen Höhenweg. 20 Minuten später sind wir froh, endlich auf der windgeschüzten Seite des Kinigats ein Geröllfeld zu queren. Auf der kleinen Filmoor-Standschützenhütte begrüßt uns ein nettes Team und wir sind froh, unsere nassen Sachen ablegen zu können. Tipp: Unbedingt eine Kleinigkeit dort essen, die Knödel mit Ei waren wohl das beste Essen am gesamten Höhenweg. Die Lust, wieder in die nassen Wanderschuhe zu schlüpfen, hält sich danach in Grenzen, ist aber leider alternativlos. Erst geht es weit bergab, bevor wir einen Kamm queren und dann einen recht gemütlichen Weg entlang gehen, nur leider immer noch im Regen. Immerhin, die Regenhosen haben den ausführlichen Test bestanden. Der zweite Teil ist deutlich weniger anstrengend, wobei ich das viele Bergabgehen als etwas mühsam empfinde. Ich geh´ einfach lieber bergauf als bergab.

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Auf der Porzehütte werden wir von einem eher unfreundlichen Hüttenwirt empfangen, der sichtlich genervt auf unsere Fragen antwortet. Jedenfalls deutlich anders als auf den bisherigen Hütten. Immerhin ist das Essen gut, es gibt Kaspressknödel mit Kraut. Da wir inzwischen schon den dritten Tag mit den gleichen Wandern unterwegs sind, werden die Abende unterhaltsamer. Man kennt sich inzwischen doch schon ganz gut. Dass man für 1 Stunde Steckdose 1€ zahlt, und einem ein Frühstücksbuffet von 13€ angeboten wird, finde ich etwas übertrieben. Vor allem, da die Hütte, im Gegensatz zu den anderen bisher besuchten Hütten, über eine Forststraße gut erreichbar ist.

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Tag 4 – Porzehütte zum Hochweißsteinhaus, oder auch nicht

Tag 4 steht für die längste Etappe des Tages, mit 8 Stunden Gehzeit. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, das motiviert zusätzlich. Bereits um 7 machen wir uns auf den Weg. Wieder geht es die ersten 1,5 Stunden mal mehr mal weniger Steil bergauf zum Tilliacher Joch und weiter zum Bärenbad, von wo man einen grandiosen Blick auf Obertilliach und die umliegenden Berge hat. Der Weg verläuft größtenteils auf Bergkämmen und wir queren so einige Gipfel. Danach schwinden die Kräfte meiner Begleitung, gesundheitliche Probleme zwingen uns schließlich, nach 5 Stunden den Höhenweg zu verlassen und ins Tal abzusteigen. Wirklich schade, aber es sollte eben nicht sein, und Gesundheit geht natürlich vor.

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Tag 5 – Entspannen am Tristacher See

Die frühzeitige Rückkehr nach Sillian bzw. Lienz nutzen wir, um den Sommertag am Tristacher See, einem Bergsee keine 10 Minuten von Lienz, zu genießen und unseren ausgelaugten und muskelkatergeplagten Beine etwas Erholung zu gönnen.

Meine Tipps für den Karnischen Höhenweg

  • Nimm genug Geld mit. Bezahlung ist nur mit Bargeld möglich (außer auf der Wolayersee Hütte). Übernachtung im Lager kostet für Alpenvereinsmitglieder 12€ (bzw. 18€ im 5er Lager), ein Bergsteigeressen 8€. Frühstück um die 7-10€.
  • Wenn du an einem Samstag startest, Hütten vorreservieren. Bei uns waren die Hütten ziemlich voll.
  • Trinkwasser gibt es auf jeder Hütte, jedoch nicht unterwegs, also ausreichend mitnehmen.
  • Dusche mit Warmwasser kostet ca. 2,5€ für 2 Minuten, vereinzelt gibt es auch Steckdosen nur gegen eine Spende (Sillianer Hütte) oder gegen 1€ (Porzhütte)
  • Zur Standardausrüstung sollte Regenhose, Wanderhose, Wandersocken, Funktionswäsche + T-Shirts, Regenjacke, Fleecepullover, Stöcke, Hüttenschlafsack, Proviant, Erste Hilfe Set, Waschzeug, Regenhülle für Rucksack, Biwacksack, Sonnencreme, Wanderkarte(n) und Ladegerät gehören. Kamera natürlich auch.
  • Dir sollte bewusst sein, dass du möglicherweise einen Tag im Regen wanderst
  • Höre auf deinen Körper. Im hochalpinen Bereich keine leichtsinnigen Entscheidungen treffen. Ein Abbruch ist o.k.
  • Du solltest wissen, was du bei Gewittern zu tun hast.
  • Als Buch kann ich dir den Rother Führer im praktischen Taschenformat empfehlen.

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Warst du schon einmal auf dem Karnischen Höhenweg? Oder kannst du mir einen anderen Weitwanderweg empfehlen?

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11 Comments

    • Ja, die Tage da oben waren wirklich schön (und anstrengend). Osttirol ist schon ein sehr sehr schöner Fleck Österreichs, auch im Sommer 🙂
      Liebe Grüße!

  • Toll, so eine mehrtägige Wanderung würde ich auch gerne wieder mal machen, aber dafür müsste ich wohl etwas trainieren 😉 Die Ausblicke sind jedenfalls beeindruckend!

  • Hallo Jakob 🙂
    Yeah! Freu mich grad voll diesen Artikel lesen haben zu dürfen 🙂 ! Ich hab mich erst vor zwei Wochen gefragt wie es wohl am Friedensweg so ausschaut. Dass der karnische Höhenweg da dazu gehört, wusste ich nicht!
    Super, dass du auch die Preise in den Hütten angegeben hast. Das mit den Steckdosen-Preisen find i schon bissl dreist.. ist das normal so in Österreich?
    Werde deinen Blog auf jeden Fall weiter verfolgen!!
    Alles Liebe,
    Susi

    • Danke! Ich kann dir die Tour sehr empfehlen!
      Auf den Hütten am Höhenweg wurde teilweise nach einer Spende für ein bestimmtes regionales Projekt für Kinder oder so gebeten (Sillianer Hütte), war umsonst (Obstansersee Hütte), oder mit Münzzähler (not-like). Ansonsten habe ich das so noch nie gesehen, nein. Aber auf Hütten mit Solaranlage oder so finde ich ersteres schon ok, Münzzähler (Porzehütte) geht aber gar nicht.

      Liebe Grüße,
      Jakob

    • Danke. Es war extrem schön, nächstes Jahr möcht ich vielleicht noch einen Teil davon gehen. Und den Weg kann ich dir nur empfehlen, du bist ja auch gerne in den Bergen unterwegs!

      Liebe Grüße,
      Jakob

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