Das Rotlichtviertel in Amsterdam

Das Rotlichtviertel De Wallen im Zentrum Amsterdams ist wohl eine der meistbesuchten Touristenattraktionen der niederländischen Hauptstadt. Ich bin sowohl unter tags als auch abends durch das bunte Viertel spaziert. Es werden zahlreiche Touren durch das Viertel angeboten. Ich habe mich, nach wiederholt positiven Erfahrungen mit den Free Walking Tours von Sandeman, für eine abendliche Tour durch das Rotlichtviertel mit eben diesem Anbieter entschieden (das ist keine Werbung, ich fand die Tour einfach so toll). 

Am Ende des Beitrags gibts noch einen besonderen Tipp für das beste Bier Amsterdams (und nicht Heineken heißt).

Tour durch das Rotlichtviertel

Wie du vermutlich weißt, bin ich normalerweise (mit Ausnahme der Free Walking Touren) kein großer Freund geführter Touren durch eine Stadt. Viel lieber erkunde ich die Stadt für mich, und gehe sehr viel zu Fuß. Nun, im Fall des Rotlichtviertels ist das anders. Im Rahmen einer Tour von Sandeman erfährt man sehr viel mehr als im Reiseführer steht. Man wird auf unterhaltsame Art und Weise (und mit dem nötigen Ernst, wenn es die Situation verlangt) in die Besonderheiten des Viertels, in das Thema Prostitution in den Niederlanden, die Situation und Rechte der Frauen und vielen anderen Themen eingeführt.

Die Geschichte des Viertels

Das Viertel gehört zu den ältesten Vierteln Amsterdams. Entstanden ist es in Zeiten der Seefahrer, die nach monatelangen Überfahrten dort einkehrten. Auffallend ist die mittendrin stehende Kirche, die Oude Kerk, seines Zeichens ältestes noch erhaltenes Gebäude Amsterdams. Wie das Nebeneinander insbesondere früher möglich war?

Ganz einfach: Durch beiderseitige geschäftliche Interessen. Nach dem Besuch der Seefahrer bei einer Prostituierten, bekamen diese ein schlechtes Gewissen eingeredet. Praktisch, dass man seine Sünden gegen eine kleine Zahlung loswerden konnte, noch bevor man seine Familie wiedersah 😉 Das entwickelte sich dann so weit, dass Seefahrer schon vor dem Besuch einer Prostituierten in die Kirche gingen, um im Voraus für ihre Sünden zu bezahlen.

Was gibts hier zu sehen?

Zu allererst: Das Viertel hat auch für Besucher wie mich, ohne auch nur irgendwelche Interessen in dieser Hinsicht, einiges zu bieten. Die kleinen, engen Gassen, die einladenden Cafes (nicht zu verwechseln mit den Coffee shops) oder der nördlich gelegene Nieuw Markt. Man sollte also vor einem Besuch des Viertels nicht zurückschrecken.

Das Viertel erfüllt wohl so ziemlich jeden sexuellen, erotischen Wunsch von Männer und Frauen. Es bietet die bekannten Schaufenster, in denen Prostituierte auf Kunden bzw. Kundinnen warten, Sexshops, Sextheater a la Moulin Rouge, Clubs für besondere Fetische, und vieles mehr. Bestimmte Gassen des Viertels stehen übrigens für bestimmte Vorlieben der Kunden bzw. Kundinnen. Nicht verpassen sollte man die drei nur etwa ein Meter breiten Gassen.

Ein Versuch, dass auch männliche Prostituierte in den Schaufenstern stehen, scheiterte vor einigen Jahren übrigens am großen Interesse von Presse, Schaulustigen (und an der biologischen Unmöglichkeit, eine längere Schicht mit mehreren Kunden zu arbeiten ;-). Das, und vieles mehr an spannenden Geschichten, gibt es auf diesen Touren zu hören.

Der Ablauf eines Geschäfts wurde uns von unserem Guide so erklärt:

  1. Eindeutiger Blickkontakt
  2. Nur wenn sich die Prostituierte sicher fühlt und den Kundin bzw. die Kundin akzeptiert, öffnet sie das Schaufenster
  3. Es wird verhandelt und im Voraus bezahlt
  4. Dem Kunden bzw. der Kundin wird die Leistung erbracht

Das System der Schaufenster ist ein für Prostituierte sehr sicheres und durchdachtes System. Die Schaufenster werden tageweise für acht Stunden vermietet. Diese haben einen Notfallknopf der im Notfall das ganze Viertel alarmiert. Auf keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, Photos der Prostituierten zu machen!

Unser Guide vor der Statue Belle

Prostitution in den Niederlanden

Prostitution ist in den Niederlanden seit dem Jahr 2000 legal. Das heißt, Prostituierte sind als Selbstständige tätig, zahlen so wie alle anderen auch ihre Steuern und haben Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Arbeitsbedingungen werden dabei streng überwacht. Dadurch wird das angeblich älteste Gewerbe der Welt sichtbar und bietet weniger Spielraum für illegale Geschäfte und Ausbeutung.

Trotzdem, es ist und bleibt Prostitution, und damit verbunden passiert Ausbeutung von Frauen. Das Rotlichtviertel als Touristenattraktion darzustellen, verharmlost das ganze.

Meine Tipps & Hinweise

  • Keine Photos der Prostituierten
    Auf keinen Fall auf die Idee kommen, Photos von Prostituierten zu machen. Erklärt wurde das damit, dass sich solche Photos unwissend im Internet verteilen können, und so die Frau öffentlich gemacht wird, was wiederum zu ungeahnten Problemen für diese führen kann. Solltest du doch ein Photo machen und erwischt werden, kannst du dich schon mal von deiner Kamera, deinem Handy verabschieden, oder im schlimmsten Fall eher schlecht riechend ins Hotel zurückkehren.
  • Taschendiebe
    Im Rotlichtviertel ist abends richtig viel los und es wird schon mal sehr eng und viel gedrängt. Pass also gut auf deine Wertgegenstände auf.
  • Keine Drogen
    Der Verkauf von Marihuana ist nur in Coffee Shops legal. Sonst ist es illegal. Also, Finger weg davon auf der Straße!
  • Das beste Bier in Amsterdam
    Gehe nach dem Besuch Richtung Norden, in Richtung des Bahnhofs. Und besuche die Brauerei De Prael. Da gibts wirklich gutes Bier, und ausgezeichnete holländische Snacks und Hauptgerichte. Die Atmosphäre ist entspannt, und es gibt dir die Möglichkeit, das Gehörte und Gesehene bei einem Bier zu verarbeiten 😉

 

Warst du schon im berühmten Rotlichtviertel Amsterdams? Wie waren deine Erfahrungen? Ich freu mich auf dein Kommentar!

 

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