Roadtrip – In sieben Tagen durch Katalonien

Wir entdecken die Vielfalt Kataloniens

Da hatten wir uns genau die richtige Woche für unsere Reise ausgesucht. Die Woche des Referendums über die Unabhängigkeit Kataloniens. Wir also mitten drin statt nur dabei. Nachdem wir Barcelona bereits mehrere Male bereist hatten, entschieden wir uns diesmal, das restliche Katalonien kennen zulernen. Ein Tag in Barcelona durfte natürlich trotzdem nicht fehlen. Und soviel sei schon jetzt verraten: Katalonien ist unglaublich vielfältig und hat für jeden Geschmack etwas zu bieten.

Von ausgezeichneten Weinregionen, über wilde aber auch familienfreundliche Küsten und Strände, hervorragende kulinarische Spezialitäten, schöne Landschaften durch die Ausläufer der Pyrenäen und das Ebro Delta, bis hin zu kulturellen Monumenten in der ganzen Region. Wir finden, Katalonien eignet sich hervorragend für einen einwöchigen Roadtrip. Die Distanzen sind überschaubar, die Straßen gut ausgebaut und durch die Vielfalt der Region kann man  jeden Tag ein bisschen anders gestalten und Neues erleben!

Wandern und Weinverkostung in El Priorat

El Priorat, neben la Rioja die einzige spanische Region mit dem D.O.Q Qualitätsmerkmal, gilt als das neue Weinparadies Spaniens. Der Name geht auf den Klostervorsteher, den Prior, zurück, der hier im 12. Jahrhundert das sehenswerte Kloster Santa Maria d´Escaladei gegründet hat. So kam auch der Weinanbau in die Region. Neben der langen Tradition macht vor allem der Boden und das optimale Klima dieses vergleichsweise kleine Weinbaugebiet so besonders. In der Region werden verschiedenste individuelle Wanderungen bzw. Touren durch die Weinberge angeboten. Was uns besonders gefällt, ist der Fokus auf individuelle Angebote, die auf die Wünsche der Besucher*innen angepasst werden.

Ein- oder mehrtägige Wanderungen werden mit oder ohne Guide, nach Wunsch in Kombination mit Weinverkostungen, Olivenölverkostungen, usw angeboten. Wir entschieden uns für eine geführte Wanderung des Anbieters El Brogit, da wir möglichst viel über die Region erfahren wollten, und eine anschließende Weinverkostung. Besonders schön sind die mühevoll angelegten Weinterrassen in der zerklüfteten Landschaft. So verbrachten wir einen fantastischen Tag, in dem wir am Vormittag drei Stunden durch die Weinberge und die Landschaft wanderten und im Anschluss im Weingut Clos Figueras ein Mittagessen mit Weinbegleitung und anschließender Führung durch das Weingut genossen. Bekannt ist El Priorat insbesondere für seinen Rotwein. Leider spiegelt sich die geringe Größe der Weinregion, das bekannte Label D.O.Q auch in den Preisen wieder. Eine gute Flasche Rotwein sowie Olivenöl fand das trotzdem den Weg in unseren Koffer…

Am Meer in Cambrils

Cambrils, im Süden Tarragonas an der Küste gelegen, ist ein Ort, der es im Gegensatz zu seinen Nachbardörfern geschafft hat, seinen ursprünglichen Charakter trotz des Massentourismus an der Costa dorada zu wahren. Auf Besucher wartet ein kilometerlanger Sandstrand. In Cambrils selbst gibt es einen sehenswerten Hafen, einen historischen Stadtkern und außerdem ganz wunderbare Restaurants und Bars (sofern man jene, die in der ersten Reihe gleich am Hafen sind, auslässt).

Mein Motto auf Reisen ist stets, ja nicht in Restaurants mit bebilderter Speisekarte zu gehen. Und so landen wir eines Abends in einem hervorragenden Restaurant unweit des Hafens, im Restaurant Lekeitio. Überhaupt haben wir mit unserem Besuch Glück, findet doch gerade die Jornadas gastronomiques del Calamar, ein gastronomisches Festival,  statt, in der die teilnehmenden Gaststätten ein zusätzliches, besonderes Menü mit besonderem Augenmerk auf Tintenfisch auf der Speisekarte haben. Großartig sag ich dir!

Gaudis Barcelona

Ein Tag in Barcelona durfte natürlich nicht fehlen. Ich mag diese Stadt einfach. Die Sagrada familia oder die Rambla können wir bei unserem ca. fünften Besuch getrost auslassen. Dafür besuchen wir die Casa Mila, oder auch La Pedrera genannt, eine der prachtvollen Häuser Gaudís am Passeig de Gracia. Tickets dafür sollte man unbedingt online kaufen. So kann man an der langen Schlange vorbeilaufen und ist in wenigen Minuten im Gebäude. Der Weg führt einen als erstes aufs Dach, von dem man eine beeindruckende Aussicht auf die Sagrada famila hat und zum Teil über die umliegenden Gebäude blickt.

Weiter spazieren wir durch die Altstadt in Richtung El Born, einem recht hippen Viertel. Auf dem Weg entdecken wir eine wunderbare, kleine, gemütliche Tapas Bar. Nachdem das Getränk bestellt ist, kann man sich an der Bar selbst bedienen. Die Tapas sind dort angerichtet und auf Zahnstochern aufgespießt. Beim Bezahlen werden einfach die Zahnstocher am Teller gezählt. So genial wie einfach, oder?

Ebro-Delta

Ein Tag führte uns in den äußersten Süden Kataloniens, zum Delta des Ebro, seines Zeichens zweitlängster Fluss Spaniens. Das Delta ist ein riesiger Nationalpark. Was es dort gibt ist schnell erklärt: Reis, viel Reis. Und zwar vor allem jener Reis, der die wichtigste Zutat der berühmten Paellas darstellt. Schließlich wird der Ursprung der Paella der südlich angrenzenden Comunidad Valenciana zugeschrieben. Außerdem ist das Delta ein sehenswerter Naturpark, in dem auch Ornitologen (Vogelfreunde) ihre Freude haben. Sobald man von der Autobahn abfährt, fährt man auf Verbindungsstraßen, und sieht links und rechts über Kilometer nichts anderes als Reisefelder. Die leider nicht mehr im üppigen Grün stehen, sondern sich nach der Ernte eher in einem Braunton zeigen. Uns egal, die Landschaft mit den alten Bauernhäusern dazwischen ist wunderschön. Als wir schon fast glauben uns verfahren zu haben, finden wir doch nicht die Touristeninformation in , wo uns mehrere Touren empfohlen werden. Ein Spaziergang bis zur Mündung, Flamingo-Watching, und der Besuch des Hafens inkl. Fischauktion, so lautet die Empfehlung, der wir in den nächsten Stunden folgen.

Wir machen uns also auf den Weg zur Flussmündung, lassen die Ausflugsboote links liegen und machen uns zu Fuß auf den Weg. Die Größe des Ebro ist dabei überwältigend. Am Ende des Weges bekommt man die Ausmaße von einem Aussichtsturm erst so richtig mit. Gewaltig! Inzwischen ist es mittag, und wir essen (welch Überraschung) Reis, genauer gesagt Arroz negro, eine lokale Spezialität, die die Farbe von der Tinte des Tintenfisches bekommt. Absolut zu empfehlen!

Weiter geht es für uns mit dem Auto auf Straßen zwischen Reisfeldern entlang. Die Flamingos sind heute etwas scheu, und deutlich zu weit weg vom Aussichtspunkt mitten im Naturschutzgebiet, schade, aber so ist das eben in der freien Natur. Also weiter zum Hafen, wo wir uns eine Fischauktion anschauen. Was für ein Schauspiel! Restaurantbesitzer begutachten den aktuellen Fang während mit jeder Sekunde der Preis steigt. Mal gibts einen frühen Zuschlag, mal steigt der Preis deutlich an. Als Nichtkenner ist mir bis jetzt nicht ganz klar, wieso genau, aber die haben wohl ein gutes Auge für Qualität. Natürlich darf auch etwas Reis als Mitbringsel nicht fehlen, und findet den Weg in unsere Taschen 🙂

Vulkanlandschaft La Garrotxa

In Katalonien gibt es Vulkane, wirst du dich jetzt fragen? Die Antwort lautet „ja“, wobei man hinzufügen muss, dass diese alle inaktiv sind und der letzte Ausbruch über 10,000 Jahre her ist. Die Landschaft ist als riesiger Naturschutzpark ausgewiesen, und gilt als eine der bedeutendsten Vulkanlandschaften Europas. Den Naturschutzpark erkunden wir vor allem aus dem Auto, und legen zwischendurch immer wieder Spaziergänge zu interessanten Orten ein, oder erkunden Städte, wie etwa das sehr sehenswerte Olot, mit hübschen Parks, und zwei kleineren Vulkanhügeln mitten in der Stadt. Auf einem davon steht heute eine Kirche, von der man eine wunderschöne Aussicht auf die Gegend hat. Sehr zu empfehlen.

Mittelalterliche Dörfer wie Montblanc

Mit was wir während unseres Besuches, abgesehen vom Referendum nicht rechneten, war ein Generalstreik. Womit wir noch viel weniger rechneten? Mit blockierten Autobahnen im ganzen Land. Nichtsahnend standen wir  also plötzlich im Stau. Nichts wurde es aus dem Besuch des Klosters in Poblet. Stattdessen mussten wir wenden und fuhren an der nächsten Autobahnabfahrt ins verschlafene Montblanc. Das Dorf ist durchaus sehenswert, ist der Dorfkern doch von einer alten Stadtmauer umgeben, in dessen Zentrum auf einer Anhöhe eine schöne Kirche steht.

Mit Blick auf die blockierte Autobahn. Dis Auswirkungen vom Generalstreik werden beim Spaziergang durch das sehr hübsche Dorf sichtbar. Alles, wirklich alles hat geschlossen. Immer wieder laufen Schüler durch die Straßen, voller Freude über den schulfreien Tag. Gerne hätten wir uns die kleinen Läden im Dorf angesehen oder auf den wunderschönen Plätzen einen Kaffee getrunken. Blieb uns leider verwehrt. Am Nachmittag machten wir es uns am Strand gemütlich. Weil Katalonien an diesem Tag still stand.

Unser Fazit

Katalonien, du hast uns sehr gut gefallen. Ganz besonders mögen wir die sich bietende Vielfalt. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Berge, Meer, Wein und kulinarische Köstlichkeiten, Kultur und Geschichte, Natur, und und und. Ich glaube, ein zweiter Besuch wird nicht lange auf sich warten lassen!

Warst du schon einmal in Katalonien? Was hat dir besonders gut gefallen?

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