Nachtwanderung auf den Vulkan San Cristobal

Vulkan San Cristobal

Oder: (Fast) zum Sonnenaufgang am Gipfel

Den Sonnenaufgang am Gipfel des höchsten Vulkans in Nicaragua, dem San Cristobal, erleben? Mit Blick auf die wunderschöne Vulkankette Los Maribios bis zum Nicaragua-See? Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Dachte ich. Warum dann alles ganz anders gekommen ist, und ich es mir zähneknirschend doch entgehen lassen musste, davon handelt dieser Beitrag. Dabei hatte alles so gut angefangen…

Volcan San Cristobal

Wie alles begann…

Etwa ein Monat vor meiner Reise nach Nicaragua kontaktierte mich Martha, eine gute Freundin meiner Frau, ob ich mit ihr wandern gehen möchte. Und zwar auf den Vulkan San Cristobal, dem höchsten, aktiven Vulkan Nicaraguas. Auf dem wir vor drei Jahren schon waren, zumindest ich. Martha hatte da noch eine offene Rechnung. Wandern im April, dem heißesten Monat in Nicaragua? Verrückt dachte ich. Und auch meine Frau, die sofort abwinkte. Als Martha mir dann von der Nachtwanderung inklusive Sonnenaufgang am Kraterrand erzählte, fand ich das Ganze dann doch spannend. Und sagte zu!

Gut ausgerüstet machte ich also eines morgens, bei bereits 35 Grad um sieben Uhr, auf den Weg nach Chinandega, wo mich Martha gemeinsam mit der Gruppe bereits erwartete. Noch kurz die Wasserreserven aufgestockt, staunte ich nicht schlecht, als plötzlich ein 60 Jahre alter Jeep vor mir stand. Die Rucksäcke wurden am Dach festgezurrt. Drei Nicaraguaner kletterten mangels Platz auch noch aufs Dach. Und los ging es Richtung jener Finca, auf der wir heute übernachten (oder wie man das nennt, wenn man um 19 Uhr ins Zelt kriecht und um 23:30 wieder aufsteht?) würden. Auf der Fahrt lernten wir vom Besitzer so einiges über die hier angebauten Pflanzen und die Vegetation. Ende April besonders trocken, und staubig.

Volcan San Cristobal Hike

Angekommen auf der Finca, ohne fließendes Wasser oder Strom, waren die Zelte rasch aufgebaut, und wir machten noch einen Spaziergang mit dem Besitzer der Finca, der auf seinem Land Kameras mit Bewegungssensoren installiert hatte, um zu erfahren, was es denn hier für Tiere gab. Wir machten uns also auf den Weg, sichteten die Photos und Videos, und bekamen so einiges zu sehen. Darunter waren (vor allem nachts) Gürteltiere, Wild, Füchse, usw. Richtig spannend!

Vulkan San Cristobal

Zurück auf der Finca nahm der Tag ohne Licht und in Anbetracht der kurzen Nacht ein frühes Ende. So zumindest der Plan. Es ist nämlich gar nicht so leicht, einfach so um sieben Uhr abends einzuschlafen. Irgendwann gings dann doch, bevor um halb zwölf jeder schlaftrunken aus seinem Zelt kroch. Planmäßiger Start um Mitternacht lautete das Ziel. Zumindest das Ziel würden wir zeitgerecht schaffen.

…es dann losging

Dann ging es los, im Stirnlampen-Gänsemarsch durch den Wald. Bereits nach der ersten halben Stunde waren von den 12 Stirnlampen nur mehr wenige zu sehen. Eine Person hinter mir meinte bereits nach einer Stunde, dass wir uns aufteilen, und nicht auf die langsameren aus der Gruppe warten sollten. „Sowas von asozial“ murmelte ich vor mich hin. Wie recht sie behalten sollte, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Es war dann leider wirklich so, dass wir nach jeder halben bis dreiviertel Stunde, etwa 10 bis 15 Minuten auf die Letzte der Gruppe warten mussten. Die war nämlich nicht nur untrainiert und komplett unerfahren am Berg, sondern hatte auch noch statt einem Rucksack eine Umhängetasche (wie unangenehm so eine mit 4 Liter Wasser gefüllte Tasche wohl sein muss?) auch noch eine normale Taschenlampe (sprich keine Hände mehr frei). Anfängerfehler, trotzdem hat sie mir im Nachhinein versichert, es genossen zu haben. Wie, frag ich mich bis heute…

Vulkan San Cristobal

Gut, etwa drei Stunden später waren wir aus dem Wald draußen, am steilen Hang des Vulkans. Nun warteten einige Stunden im Geröllfeld, sprich loses Vulkangestein, auf uns. Zwei Schritte vor, einen rutscht man im losen Gestein zurück. Kein Vergnügen, so viel sei verraten. Vor allem nicht um diese Uhrzeit, die sich in der Ausdauer und Muskelkraft deutlich bemerkbar machte. Motiviert gingen Martha und ich voraus. Nun trennte sich die Gruppe, verlaufen konnte man sich nicht mehr, es heiß nur mehr: Bergauf bis zum Gipfel. Weil Wanderweg gibt es da keinen.

Es muss so gegen vier Uhr morgens gewesen sein, als sich Ernüchterung breitmachte. Sonnenaufgang am Gipfel? Keine Chance. Zu viel Zeit hatten wir in den ersten Stunden durch das Warten verloren. Wie es um meine Motivation stand, kannst du dir vorstellen. Der Schwefelgeruch tat sein Übriges. Martha hingegen packte ihre Motivationskünste aus, und insgeheim wusste ich, wenn ich aufgebe, würde sie es (wieder) nicht auf den Gipfel schaffen. Also, Zähne zusammengebissen und weiter. Wenn schon kein Sonnenaufgang, dann zumindest gemeinsam am Gipfel, dachte ich mir. Immerhin war die Aussicht schön:

…und endete

Am Gipfel standen wir dann (mit zwei weiteren aus der Gruppe) um etwa 7 Uhr morgens. Viel zu spät für den Sonnenaufgang. Die Freude war trotzdem groß, die Aussicht überragend. So ist das eben am Gipfel, da sind dann alle Mühen recht schnell vergessen. Aus der Wandergruppe sollten es am Ende vier von zwölf auf den Gipfel schaffen.

Wanderung Vulkan San Cristobal

Was bleibt, ist eine schöne Wanderung in der Nacht, und die wunderbare Stimmung im Morgengrauen mitten am Berg. Und die Erinnerung an das wohl beste Bier zwei Stunden später auf der Finca gemeinsam mit Martha. Und die Erinnerung an eine wirklich nette Gruppe, mit der es richtig lustig war.

Wanderung Vulkan San Cristobal

Praktische Informationen

Der Club de Montañismo Los Maribios organisiert Wanderungen auf verschiedene Vulkane in Nicaragua, zu ortsüblichen Preisen. Ein Zelt wird bei Übernachtungen zu Verfügung gestellt. Ich kann dir diese Touren sehr empfehlen, Carlos ist ein netter, umgänglicher Guide, der sehr viel Erfahrung am Berg hat.

Alle Informationen finden sich auf der Website: http://losmaribiosnicaragua.com/

Weitere Informationen über Nicaragua:

Reisetipps und Must-sees

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Reisetipps für die Isla de Ometepe

Nicaragua von A bis Z

Meine erste Wanderung auf den San Cristobal

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